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Absage des Agglomerationsprogramm Stans: Interview mit Mobilitätsplaner Conrad Wagner, Stans

Interview mit Conrad Wagner im OnlineQuer vom 30.1.09

Klares Verdikt aus Bern. Das Aggloprogramm Stans genügt der Prüfbehörde nicht. Mangelpunkt 1: Aus dem Programm gehe keine kohärente ÖV-Gesamtstrategie hervor. Was versteht der Verkehrsexperte darunter?

In einer ÖV-Gesamtstrategie werden erst einmal das ÖV-Angebot und seine Nutzung durch Einwohner und Touristen abgebildet. Die ÖV-Qualität kann mittels Benchmark, also im Vergleich zu anderen Agglomerationen eingeschätzt werden.

Dann versucht man die Dynamik der Verkehrsentwicklung aufzuzeigen, die Siedlungsentwicklung, die Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung, aber auch Entwicklungsschwerpunkte wie z.B. Stans Zentrum Dorf und das Gebiet Länderpark als Stans Zentrum Nord und West.

Eine ÖV-Strategie muss sich auf die heutige und auf die geplante Situation beziehen und Verkehrslösungen aufzeigen, die einerseits die Volkswirtschaft fördern, aber auch den Umweltschutz (Luftqualität, Energieeffizienz, Raumeinsparung) sichern.

Bemängelt wurde vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) auch, dass der Aufbau eines Mobilitätsmanagements im Programm nicht einmal thematisiert würde. Teilen Sie dieses Urteil?

Ja, das Zusammenspiel verschiedener Verkehrsträger (Strasse, Schiene) und verschiedener Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Velo, Auto, Fuss, etc.) wird zwar im Agglomerationsprogramm angedacht, jedoch wurde bislang noch keine planerische Grundlage geschaffen, die dieses Mobilitätsmanagement untersucht. Ein Mobilitätsmanagement ist besonders wertvoll für den Raum um den Bahnhof und Dorfplatz Stans als bestehender Knotenpunkt aller Verkehrsmittel, aber auch für den Raum Stans Nord und West mit einer geplanten Zentralbahn-Haltestelle Bitzi, wo Fussgänger, Velo, Bahn und Auto zusammentreffen werden. Ein Mobilitätsmanagement unterstützt auch den politischen Prozess und den Willen der Bevölkerung vermehrt das Velo und den öffentlichen Verkehr zu nutzen.

Das Aggloprogramm Stans schlug vor, einen neuen Bahnhof Bitzi mit Park und Ride und eine Westumfahrung zu bauen. Der Prüfbericht bemängelt: Es fehle eine Gesamtkonzeption gerade im Bereich Stans West. Was müsste eine solche beinhalten?

Verkehrsplaner können heute verschiedene Verkehrsvarianten simulieren und in Bezug auf verschiedene Zeiträume (werktags, Sonntag, etc.) planerisch optimieren. Besonders interessant sind dabei flankierende Massnahmen, die das Verkehrs- und Parkingverhalten beeinflussen. Dazu zählen freiwillige Massnahmen, die den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr fördern, z.B. Park+Ride, Job-Ticket, Heimlieferdienst), aber auch autoritäre Massnahmen, die den Verkehrsfluss gezielt steuern (z.B. Signalisationen, 30er-Zonen, Begegnungszonen).

In der Verkehrs-Gesamtkonzeption werden verbindliche Ziele festgelegt und mit entsprechenden Massnahmen unter Einbezug aller Partner im Verkehrswesen schrittweise durchgesetzt. Darin werden auch neue Geschäftsfelder für Mobilitätsanbieter als Dienstleistungen im Bereich Bahn, Bus, Taxi, CarSharing, Velo, etc. thematisiert.

Strukturell scheint sich ein Paradigmenwechsel auf Bundesebene zu vollziehen. Ein professionelles Prüfmanagement dort, steht einer Unterdotierung in Kleinkantonen gegenüber. Das zeigt sich jetzt bei den Agglomerationsprogrammen und zeichnet sich vielleicht auch bei den Regionalen Naturparks ab. Ist die Zeit vorbei, wo man in Bern auf die Schnelle ein paar Millionen abholen konnte?

Regionalpolitisch und im Zeichen des Föderalismus konnte man bislang die Investitionsmittel in Bern gemäss Zuweisungsraster aller Kantone und Gebiete abholen. Die Behörden vor Ort verstanden sich als Experten mit dem nötigen Lokal-Wissen und suchten nach der besten örtlichen Lösung.

Heute zählt aber vermehrt die Leistung, was zu mehr überprüfbarer Strategie, Planung und Evaluation führt. Dieses eher akademische Vorgehen und die transparente Beweisführung führen zu komplexen Lösungen, wo sich bauliche Investitionen und nutzer-orientierter Betrieb messen müssen. Jetzt spricht man von Performance, Qualität, Effizienz und Gesamtnutzen.

Es wird deshalb notwendig sein, dass sich Kleinkantone für Strategie und Planung zusammenschliessen und sich auch innerhalb weiterer Agglomerationen z.B. mit Luzern besser abgleichen und einbringen.

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